Baby-Feuchttücher oder feuchte Tücher selbst herstellen?

Feuchttücher oder lieber feuchte Tücher selbst herstellen?

 

Feuchttücher sind praktisch! Schnell parat und nach Gebrauch muss man sich nicht um das Waschen kümmern… Es gibt die mittlerweile in so gut wie jeder Drogerie- bzw Supermarktkette. Gefühlt von dutzenden von Herstellern und die Liste der Inhaltsstoffe wird auch immer länger. 

 

Setzt man sich mit den Inhaltsstoffen auseinander und recherchiert, so wird einem teilweise ganz anders. 

Ein kleines Baby  wird mindestens 6-8 mal pro Tag gewickelt, was soviel heisst, dass die Inhaltsstoffe der Tücher genauso oft auf Babys Haut aufgetragen werden.

Warum liegt mir das so am Herzen?

 

Die Haut ist ein  multifunktionales Organ und genauer gesagt das grösste Organ das wir haben! Es besitzt mit der Hautbarriere überlebenswichtige Funktionen : 

 

Abgrenzung und Schutz gegen die Umwelteinflüsse (mechanische und chemische Barriere). 

Regulierung der Körpertemperatur , Sinneswahrnehmungen und mehr…

 

Die Haut eines Neugeborenen ist viel zarter und dünner und dadurch empfindlicher als die von Erwachsenen. Es befindet sich noch mindestens 12 Monate nach der Geburt in der Aufbauphase. 

 

Da die epidermale Barriere bei Säuglingen unreif ist, ist die Hautpermeabilität sehr hoch, besonders während der ersten vierzehn Tage des Lebens. Darüber hinaus wird diese Haut auch leichter mechanisch angegriffen, wie im Windelbereich durch den Kontakt mit Windeln oder bei der Verwendung von Feuchttüchern, die eine wiederholte und lokalisierte Entfernung von Zellen des Stratum Corneum verursachen und folglich die Durchlässigkeit der Haut erhöhen.

*Quelle : http://www.scielo.br/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0365-05962011000100014&lng=en&nrm=iso&tlng=en

 

 

Wie einige von Euch bereits mitbekommen haben, wurden im ÖKO-TEST Magazin ( 3/16) Feuchttücher auf ihre Inhaltststoffe getestet und herauskamen mehr als bedenkliche Ergebnisse. Bei 8 Produkten wurde das Konservierungsmittel Polyaminopropyl Biguanide (PHMB) entdeckt. Der Stoff ist inzwischen von der EU in Kosmetikmitteln verboten und als Gefahrstoff (CMR2) eingestuft. Dass er trotzdem noch in den Produkten zu finden war, lag daran, dass er noch auf der Liste der erlaubten Konservierer steht.  *Quelle ÖKO-TEST Magazin 3/2016

 

Hier ein Ausschnitt aus der ÖKO-TEST:

 

Konservierer in der Kritik 

Empfindliche Haut im Windelbereich: Seit Jahren wechseln die Hersteller von Babyfeuchttüchern von einem Konservierer zum nächsten, da gerade im empfindlichen Windelbereich immer mehr Stoffe verboten werden. Um die Tücher haltbar zu machen, sind Konservierungsmittel nötig, sonst würden die wasserhaltigen Erzeugnisse schnell verkeimen. Nicht alle Substanzen sind gut verträglich und unbedenklich. Zwei weitverbreitete Konservierer sind Polyaminopropyl Biguanide (PHMB) und Phenoxyethanol. 

PHMB (Polyaminopropyl Biguanide) ist laut EU-Kommission seit Januar 2015 in Kosmetika verboten. Es ist als Gefahrsto (CMR2) eingestuft, also eine jener Substanzen, die als krebserzeugend und/oder erbgutverändernd und/oder fortpflanzungsgefährdend bewertet sind. Es besteht zudem der Verdacht, dass PHMB beim Einatmen giftig ist. Somit ist der Konservierer aus EU-Sicht in Kosmetika formell nicht mehr erlaubt. Daran ändert auch nichts, dass der Stoff (noch) auf der Liste der erlaubten Konservierungsmittel steht. Auf diese Liste verweist die Industrie gern. In der EU sind die Mitgliedsstaaten und ihre Behörden für die Umsetzung des Verbots von PHMB verantwortlich. 

Phenoxyethanol wird derzeit vom wissenschaftlichen Beratergremium der EU (SCCS, Scientific Committee on Consumer Safety) bewertet. Hintergrund ist eine Risikoabschätzung der französischen Arzneimittelbehörde ANSM von 2012. Sie hatte vorgeschlagen, Phenoxyethanol in Produkten für den Windelbereich für Kinder unter drei Jahren zu verbieten. Der Industrieverband Cosmetics Euro- pe hat seinerseits ein Dossier eingereicht, das die Sicherheit von Phenoxyethanol beweisen soll. Bei dem Konservierer geht es nicht um einen Krebsverdacht, sondern um andere mögliche toxische Wirkungen. 

 

Aber auch weitere Inhaltsstoffe haben nichts auf Babys Haut zu suchen:

Parabene, Formaldehyd/-abspalter oder Methylisothiazolinon. Genauso gehört Parfüm als Inhaltsstoff auch nicht an Babys Po!

 

Werbeaussagen darf man auch nicht blind vertrauen! Auslobungen auf den Packungen wie „für sehr sensible Haut geeignet“ oder „dermatologisch geprüft“ haben keine Aussagekraft, da auch solche Produkte Zutaten enthalten können wie PHMB oder PEG/PEG-Derivate. So findet sich beispielsweise auf der Packung der Bübchen Sensitive Feuchttücher der Aufdruck „Haut- schutzversprechen“, das eine „sorgfältige Auswahl natürlicher Wirk- und Pflegestoffe“ garantieren soll. Das Produkt enthält jedoch PHMB. Ebenso wie die Hipp Baby Sanft Ultra Sensitiv Feuchttücher, die beworben werden mit: „Optimal für die sanfte Reinigung empfindlicher und zu Allergien neigender Babyhaut.“ 

(Stand dieses Tests war 2016, es ist möglich, dass manche Hersteller reagiert und ihre Rezeptur nach Veröffentlichung des Magazins verändert haben) 

 

Nehmt Euch die Zeit und liest vor dem Kauf die Inhaltsstoffe durch.

 

Zumindest zu Hause bietet es sich wunderbar an selbst gemachte feuchte Tücher oder einfach gesagt nasse Waschläppchen zu nutzen. Eine Schale mit warmen Wasser am Wickeltisch und ein paar Waschläppchen reichen völlig aus. 

Neben ÖKO-TEST empfehlen auch viele Hebammen und Stoffwindelberaterinnen gerne diese altbewährte Methode.

Es mag vielleicht etwas aufwendiger klingen, jedoch könnt Ihr da sicher sein, dass so beim Wischen keine unerwünschte (und unbekannte) Inhaltsstoffe an Babys Haut kommen. 

 

Wem Wasser pur nicht ausreicht, kann auch gern eine Feuchttücher-Wasser&Öl-Mixtur selbst herstellen.

 

 

 

Rezept für Feuchttücher:

 

-500ml Heisses nicht mehr Kochendes Wasser

- 1/2 bis 1 Teelöffel Öl

 

(-optional paar Tropfen Babywaschgel) 

 

Alles miteinander verrühren, etwas abkühlen lassen und die Flüssigkeit mit den Waschläppchen in eine (Tupper)-Dose oder in die berühmte Skiphop-Box geben. Da keine Konservierungsmittel (zum Glück!) enthalten sind, empfehlt es sich nach spätestens 1-2 Tagen zu wechseln. Auch würde sich zur Aufbewahrung der Feuchttücher ein kleines Wetbag eignen.

 

Bei der Wahl des Öls könnt Ihr selbst entscheiden, was ihr am liebsten mögt. Kokosöl geniesst grosse Beliebtheit und das nicht nur weil es einfach so himmlisch gut riecht.

Wer jedoch lieber auf regionales zurückgreifen möchte kann auch Sonnenblumenöl nehmen. Ob das Olivenöl geeignet ist, weiss ich aufgrund der darin enthaltenen ÖLsäure nicht, es könnte bei dauerhafter Benutzung Babys zarte Hautbarriere angreifen.

 

Auch sind Mandel Öl und Calendula Öl-Mischungen nicht nur pflegend, sondern auch besonders mild und zur Pflege der Babyhaut geeignet. 

Für die gröbere Verschmutzung würde sich auch Toilettenpapier als erster Reinigungsschritt eignen und danach mit Waschlappen sauber wischen. 

 

 

Wer unterwegs keine Waschlappen aus Stoff nutzen möchte, kann auf Windelvlies zurückgreifen. Zum Beispiel das Windelvlies von Disana. Es ist besonders reisfest und im nassen Zustand sogar angenehm weich. 

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